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Der Ort Mellingen wurde erstmals 1137 als Meldingen erwähnt und gehörte einem adligen Geschlecht. Mellingen besteht aus einem Ortsteil rechts der Ilm mit der Pfarrkirche, wo einst auch eine Burg stand, und einem links der Ilm gelegenen Ortsteil, einer regelmäßigen Erweiterung aus dem hohen Mittelalter.

Die Pfarrkirche, wie sie sich heute zeigt, entstand 1669 aus einer mittelalterlichen Chorturmkirche, deren Langhaus 1724 – 1730 erneuert wurde. Das Kircheninnere besitzt eine umlaufende Doppelempore und einen reich dekorierten Kanzelaltar.

Südöstlich von Mellingen befindet sich die Heinrichsburg, deren Existenz als Siedlung nachweislich in die mittlere und jüngere Steinzeit zurückreicht.

Der Kritzekrebsmarkt im Wandel der Zeit


Das Marktrecht besitzt Mellingen schon seit dem Jahre 1609, als der Ort mit einem Jahrmarkt belehnt wurde, der immer am Sonntag “Rogate” stattfand. Herzog Wilhelm Ernst von Weimar bestätigte die Verleihung am 11. Juli 1704, verlegte aber den Markt auf Bitten der Gemeinde auf den Montag nach “Kantate”.

Der herzogliche Befehl lautete: “Den sämtlichen Gerichtsschöppen, Heimbürgen und Ältesten zu Mellingen wird auf ihren unterem 19 Juni eingereichtes untertäniges Schreiben, worin dieselben, daß ihr Jahrmarkt, welcher auf den Dienstag nach dem Sonntag “Rogate” zu halten , vorgesehen auf den Montag nach “Kantate” verlegt werden möge, untertäniges Ansuchen getan, hiermit zur Nachricht vermeldet, daß ihrem Gesuch . . . Satt und Raum gegeben wird.”

Der Gemeinde Mellingen als fürstliches Privileg vor über 390 Jahren gnädigst zugesprochen, hat der Markt lange Zeit seinen ursprünglichen Charakter behalten. Wichtig war damals der Austausch von Waren.

Was wurde nun auf dem Mellinger Jahrmarkt in erster Linie gekauft und verkauft? Hauptsächlich Schuhwaren, Tuche, Beutlerwaren, Leder, Strümpfe, Hüte, Band und Knopfwaren, Feuersteine und –schwämme, Körbe, Eisenwaren, Kurzwaren, Horn- und Blechwaren, Heringe, Galanteriewaren, Zuckerzeug, jeder Art, auch in Form des Kritzekrebses aus Schokolade oder Teig, und noch vieles mehr, etwa siebzig Handelswaren.

Nun heißt dieser Markt seit eh und je Kritzekrebsmarkt. Der Fremde fragt, was das für ein eigenartiges Tier sein sollte. Hier im Ilmtal nannte man den Maikäfer früher so. Als Symbol aus Blech hängt er zur Kirmes auf dem Anger.

Seit der Jahrhundertwende entstand aus dem Kritzekrebsmarkt die Kirmes. Da ging es nach genauen Riten und Vorschriften zu. Planburschen und Planjungfern bildeten die Kirmesgesellschaft. Sie benannten einen Bierhahn oder Burschenvater. Der wurde von den Planjungfern zu Himmelfahrt geschmückt, bekam allerlei Larifari umgehängt und trug immer eine Gießkanne voller Bier herum.

Nachdem am dritten Osterfeiertag die Kirmesgesellschaft gegründet worden war fand fünf Wochen später, drei Tage lang am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag der traditionelle Plantanz statt. Acht Tage danach wurde um 24 Uhr auf dem Abschiedsball unter “Tränenvergießen”  die Kirmes begraben. Die Gastwirte hatten stets ihre Vorteile. Die Händler und Gäste waren unterzubringen und zu beköstigen nebst Ausspanne. Während des Marktes waren die Leute freigiebiger. Wer Geld hatte, gab es aus.

Um 1845 wurde ein Viehmarkt durchgeführt. Er blieb aber keine ständige Einrichtung.

“Plan” wurde der Bretterboden auf dem Dorfanger genannt. Er war eingegrenzt, und auf ihm durften die Planjungfern und Planburschen, die ein Tanzgeld entrichtet hatten, tanzen. Die Planmädchen wurden ausgelost. Der älteste Planbursche began mit der Wahl seiner Planjungfer, und der Jüngste mußte das nehmen was übrig blieb.

Machmal gab es “lange Gesichter” wenn man lieber mit einer anderen die ganze Kirmes gefeiert hätte. Es gab aber auch erfreute Mienen, wenn man die richtige bekam. Manchmal entstanden aus solchen Planfreundschaften auch Ehen.

Leider hat sich noch keiner so rechte Gedanken gemacht, wie man alte Traditionen mit heutigen Auffassungen vom Feiern verbinden könnte. Disko ist wahrscheinlich nicht der Weisheit letzter Schluß.

Historische Sagen rund um Mellingen


Bonifatius in Mellingen

In Thüringen gibt es oft Flurnamen, die mit dem Namen des Heiligen Bonifatius zusammenhängen. Die Frage, ob diese von seinem direkten Aufenthalten an diesen Orten oder von einer späteren Namensgebung unter kirchlichem Einfluss zeugen, kann nur in den wenigsten Fällen beantwortet werden.
In der Mellinger Flur erinnern die Anfang des 16. Jahrhunderts nachgewiesenen Namen Bonifatiusberg , -tal und -born (-brunnen) an den Angelsachsen Bonifatius.
Er zog im Jahre 725 über den Thüringer Wald, um in mehrjährigem Wirken mit seinen Helfern dem sich erneut verbreitenden Heidentum der Thüringer entgegenzutreten. Ein Missionszentrum gründete Bonifatius in Ohrdruf.
Der Sage nach kam Bonifatius auf einem seiner Züge auch nach Mellingen, um hier mit anderen Geistlichen – der Volksmund nennt auch noch Krieger – an der nördlichen zwischen Mellingen und Taubach gelegenen Quelle zu rasten und sich zu erquicken. Dieser Rastplatz wird später als Bonifatiusquelle bezeichnet.
Wenn die drei nach dem Heiligen benannten und dicht beeinanderliegenden Örtlichkeiten auf einen nachhaltigen Aufenthalt des Bonifatius hinweisen, so muss es sich um eine größere Aktion der Kirche – vielleicht Bekehrung mit Taufe – im Mellinger Raum gehandelt haben. Der Glaube an die alten Götter hielt sich im Volke wohl in diesem Gebiet, wie die nächste Sage beweist, besonders lange.

Hans Grunner und der Teufel

Im Sommer 1698 berichtete der damalige Ortspfarrer von Mellingen an das fürstliche Oberkonsistorium in Weimar:
Der zweiundfünfzigjährige Mellinger Einwohner Hans Grunner ging schon in aller Frühe in die Flur, um an der Ilm und an der Magdel nach seinen Reusen zu sehen und die gefangenen Krebse zu holen. Er entleerte die Reusen ins Gras und begann eifrig, die Krebse zu zählen.
Auf einmal merkte er, dass mit kleinen Steinen geworfen wurde. Zunächst achtete Grunner nicht darauf, denn er dachte, es seien übermütige Mädchen, die schon so früh zum Grasmachen in der Ilmaue wären und ihn foppen und schrecken wollten.
Beim Umsehen bemerkte er jedoch einen grauhaarigen Fremden. Dieser trug ein ledernes Wams und einen großen Hut. Beim Näher kommen sprach der Fremde ohne jede Begrüßung und Vorrede den Hans Grunner an:
“Du musst dir dein Brot mit schwerer und mühseliger Arbeit verdienen. Ich will dir Geld vorstrecken, damit du und deine Familie besser auskommen können!” Der Fischer erwiderte dem , wie er glaubte, mitleidigen Menschen:
“Ich brauche eure Hilfe nicht. Ich bin schon sehr verschuldet und kann das Geld nicht zurückzahlen. Ich will mich nicht noch mehr verstricken”
Der Fremde machte weiter seine Versprechungen, er wollte ihm sein ganzes Leben lang Geld und Gut verschaffen, er verlange nichts zurück – Hans solle sich nur in dieses Buch einschreiben. Dabei zeigte der Fremde dem armen Manne ein schwarz gebundenes Register und sagte:
“In diesem Buche stehen viele angesehene und reiche Leute” Er schüttete neben die Krebse einen Haufen Gold und Silber, dass die Fischbutte nicht ausgereicht hätte, ihn zu fassen. Der Bauer staunte sehr, rührte nichts an und lehnte mit den Worten ab:
“Ich mag euer Geld nicht !” Mit großem Schrecken gewahrte Grunner plötzlich , dass sich der Fremde in eine grässliche Gestalt verwandelt hatte, die einen Pferdefuß, Bärentatzen, einen abscheulich gehörnten Kopf und faustgroße feurige Augen besaß. Die Lederkleidung hatte sich in lange schwarze Bockzotteln verwandelt. Mit Entsetzen merkte Hans Grunner, dass er den leibhaftigen Satan vor sich hatte. Am ganzen Leib zitternd, fing er an, inständig zu beten.
Der Teufel verspottete die Frömmigkeit des armen Mannes, redete ihm weiter zu, das Geld anzunehmen,sich in das Buch einzuschreiben und von Gott zu lassen. Hans Grunner meinte, dass ihm das Geld der Welt nichts nützen würde, wenn er Schaden an Herz und Seele nähme. Der Teufel spottete und höhnte – nun aber schon ärgerlich geworden – immer weiter, merkte dann doch, dass er dem armen Manne nichts anhaben konnte:
“Ist dir an deinem Seelenheil so viel gelegen, so lauf und bleib ein armer Fischer dein Leben lang!”
Mit Zittern und Zagen hatte Grunner inzwischen seine Krebse in die Fischbutte gelesen, und mit anhaltendem Seufzen und Beten eilte er in Richtung Mellingen zurück. Der Teufel blieb ihm mit schrecklichem Gebrüll bis an den Ortsrand auf den Fersen. Er brummte zuletzt wie ein Bär und ließ die Erde zittern.
Hans Grunner musste sich zu Hause gleich schwerkrank ins Bett legen. Sechs Wochen lang brauchte er zum Gesundwerden. Erst als der zehnte Tag vorübergegangen war, erzählte er auch seinem Pfarrer die Ursache seiner Krankheit.